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Wohnen im Denkmal©

© Ackermann Architekten

 

Wohnen im Denkmal

In einem stark sanierungsbedürftigen Kasernenkomplex aus der Kaiserzeit entstanden im badischen Lahr individuelle Lebensräume mit energiesparender Haustechnik

Hohe Räume und Sprossenfenster – diese beiden Wörter in einer Anzeige sprachen die Familie Kunzelmann sofort an. Die Folge: Seit April 2008 bewohnen die Altbaufans ein luxuriöses Loft in einem denkmalgeschützten Gebäude. Rund 200 Quadratmeter direkt unter dem Dach sind nun ihr Eigentum. Zuvor stand für den 1905 erbauten Kasernenkomplex im badischen Lahr jedoch eine Komplettsanierung an. Das Haus, das zwischenzeitlich eine Bäckerei beherbergte und dann leer stand, war völlig heruntergekommen. „Als meine Schwiegereltern das Objekt zum ersten Mal sahen, standen ihnen die Haare zu Berge“, erinnert sich Frank Kunzelmann. „Nur mit einer gehörigen Portion Fantasie konnte man sich vorstellen, dass aus dem dunklen, zerfallenen Inneren einmal etwas wirklich Schönes entsteht.“

Erste Hindernisse

Bevor das Sanierungsobjekt Kasernenhof zu einem modernen Mehrfamilienhaus mit insgesamt fünf Eigentumswohnungen umgewandelt werden konnte, mussten einige Hindernisse überwunden werden. Nach Auflagen des Denkmalschutzamtes musste die alte rote Sandsteinfassade ebenso erhalten bleiben wie die Haustüren und das Holzständerwerk unter dem Dach. Für Veränderungen des äußeren Bildes wie die nachträglich angebrachten Balkone, musste die Zera-Baugesellschaft behördliche Genehmigungen einholen. Durch den bürokratischen Aufwand verzögerte sich der Baubeginn um etwa ein halbes Jahr. „Erst als das endgültige Einverständnis des Denkmalschutzamtes vorlag, konnten die Sanierungsarbeiten starten“, erklärt Kunzelmann. „Denn nur die Kosten, die danach anfallen, bringen Steuervorteile.“ Sie lassen sich beim Finanzamt als Sonderausgaben geltend machen und senken so die Einkommensteuer.

Außen alt, innen neu

Das Warten hat sich gelohnt: Was von außen herrlich alt ist, entspricht innen einem Neubau. „Es fand eine fast komplette Entkernung statt, im Grunde blieb bis auf das Treppenhaus nur die Gebäudehülle stehen“, erläutert der Bauherr. Das heißt: Wände mussten weichen und alle Strom- und Wasserleitungen wurden erneuert.

Die ursprünglichen Sprossenholzfenster wurden als Sonderanfertigung nachgebaut. Der Fußboden bekam eine Heizung, einen neuen Estrich und eine Trittschalldämmung. Da das äußere Erscheinungsbild erhalten bleiben musste, verlegte das mit der Umwandlung beauftragte Büro Ackermann Architekten die Wärmedämmung der Fassade und des Dachs nach innen. 60 Millimeter Mineralwolle mit Dampfsperre sorgen dort als Vorsatzschale für eine energiesparende Isolierung.

Auch in Sachen Haustechnik setzte der Bauherr auf zeitgemäße energetische Standards. „Ursprünglich war eine Lösung mit Gas vorgesehen. Damals waren die Öl- und Gaspreise gerade mal wieder gestiegen“, erklärt Sybille Kunzelmann. „Als wir die Heizkosten für 200 Quadratmeter kalkulierten, bekamen wir das kalte Grausen.“

Neueste Technik in altem Gemäuer

Es musste also eine andere Lösung her. Und davon mussten die beiden auch noch die anderen Eigentümer überzeugen. Dabei sollte ein Kompromiss zwischen Effizienz und Investitionskosten gefunden werden. Die Wahl fiel auf eine Luftwasserwärmepumpe. Diese saugt Außenluft an und entzieht ihr die enthaltene Wärme. Damit lässt sich Wasser erhitzten, das über die Fußbodenheizung die Räume auf Wohlfühltemperatur bringt. Die Luftwasserwärmepumpe ist zwar nicht so effizient wie das Heizen per Erdwärme, aber dafür sind auch die Anschaffungskosten nicht so hoch.

„Insgesamt rechnen wir mit einer Ersparnis von rund 40 Prozent der Energiekosten im Vergleich zur herkömmlichen Gas- beziehungsweise Ölbrennwerttechnik“, sagt der Bauherr. „Dazu tragen auch die automatische Lüftungsanlage und die integrierte Wärmepumpe bei.“ So ist nicht nur für eine regelmäßige Frischluftzufuhr gesorgt; die Wärmepumpe erzeugt aus der Abluft auch noch Energie zur Brauchwassererwärmung. Durch den ständigen Luftaustausch wird zudem Schimmelbildung vermieden. Im Gegensatz zur zentralen Heizungsanlage im Keller ist die Wärmepumpe zur Brauchwasseraufbereitung im Fall der Loftwohnung der Familie Kunzelmann für jede Wohnungseinheit dezentral im Treppenhaus untergebracht.

Offene Räume

So außergewöhnlich wie das Gebäude selbst ist auch die Gestaltung des Lofts. Architektin Christiane Ackermann realisierte einen offenen Grundriss. Durch die Deckenhöhe von rund 6,5 Meter in der Mitte bot es sich an, die wenigen geschlossenen Räume wie das Kinder- und Arbeitszimmer, ein Gästebad sowie eine Abstellkammer an den Seiten des Dachgeschosses zu platzieren.

Dort hat die Decke lediglich eine Höhe von etwa drei Metern. Das Loft bleibt so durchgängig offen, und auch für genügend Helligkeit ist gesorgt. Zusätzliches Licht gelangt durch die acht nachträglich eingebauten Dachfenster und fünf Gauben nach innen. „Dadurch ist es sogar so viel heller, dass wir später das Licht einschalten müssen als die Bewohner in den unteren Stockwerken“, freut sich Kunzelmann. Und die Dachgeschosswohnung verfügt über weitere Highlights. Zwei Kuben in Apfelgrün und Türkis jeweils in der Mitte des Lofts setzen farbliche Akzente und dienen zudem als Abstellkammer und begehbarer Kleiderschrank. Das offen gelegte Holzständerwerk und die Wickelfalzrohre für die Lüftung unterstreichen den Industrie-Charakter. Einen besonderen Charme haben die Sandsteinumrandungen innen und außen an den beiden Eingangstüren.

„Insgesamt ein gelungener Entwurf“, findet Ehepaar Kunzelmann. Einziger Nachteil des offenen Grundrisses ist die Hellhörigkeit. „Diesen wiegen die vielen Vorteile aber schnell auf“, meint Sybille Kunzelmann. „Der Weitblick über fast 20 Meter vom Bad zum Balkon begeistert uns jeden Tag aufs Neue. Schön ist auch, dass wir, etwa im Gegensatz zum Reihenhaus, alle Räume auf einer Ebene haben. Und es ist einfach etwas Besonderes, in einem denkmalgeschützten Haus zu wohnen.“

Weitere Infos: www.ackermannarchitekten.de

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