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Lärmfreie Lage gesucht©

© Rehau Schallschutz

 

Lärmfreie Lage gesucht

Mehr als 60 Prozent der Deutschen fühlen sich durch Verkehrslärm belästigt. Für über 15 Prozent nimmt die Lärmbelastung sogar gesundheitsschädliche Ausmaße an. Mit gutem Grund steht eine ruhige Lage für Bauherren und Hauskäufer ganz oben auf der Prioritätenliste. Sogenannte Lärmkarten bieten bei der Suche nach einer geeigneten Immobilie eine erste Hilfe.

Straßen- und Schienenverkehr, Flughäfen, Industrieanlagen oder schlicht die vielen Menschen in städtischen Zentren führen dazu, dass wir immer höheren Lärmbelastungen ausgesetzt sind. Sowohl das Bundesemissionsschutzgesetz als auch die Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union verlangen von den Kommunen einen besseren Schutz ihre Bürger gegen die akustische Umweltverschmutzung. Dazu sollen sie in einem ersten Schritt feststellen, wie hoch der Lärmpegel in den Wohngebieten ist und die Ergebnisse in Lärmkarten festhalten.

Eine Lärmkarte ähnelt einem Stadtplan. Verschiedene Farben geben das unterschiedliche Lärmniveau an: Grün und Gelb stehen für relativ niedrige, Violett und Blau für hohe Aufkommen an Umgebungslärm. Unter hoch versteht man einen Schalldruckpegel von mehr als 70 Dezibel. Auf Hauptverkehrsstraßen entsteht für die Anwohner Lärm von rund 75 Dezibel. Diese Werte werden für die Kartierung übrigens nicht gemessen, sondern aus verschiedenen Faktoren wie Lärmquellen, Verkehrsmenge oder Geländedaten mithilfe einer Software berechnet.

Lärmkarten gibt es bereits in fast allen Bundesländern, allerdings nicht überall flächendeckend. „Es gibt zwei Kartierungsverfahren“, so Matthias Hintzsche, Lärmexperte beim Umweltbundesamt in Dessau: „Kleinere Gemeinden kartieren nur die Gebiete entlang der Hauptverkehrslinien, Städte mit mehr als 250000 Einwohnern dagegen den gesamten Ballungsraum.“ So erklären sich weiße Flecken auf der Lärmkarte, die nicht unbedingt bedeuten, dass dort alles ruhig ist.

Als erstes Bundesland hat Nordrhein-Westfalen seine gesamte Lärmkartierung in einer einzigen Karte zusammengefasst und im Internet (www.umgebungslaerm.nrw.de) zugänglich gemacht. Über eine Suchmaske mit Eingabe der Gemeinde, Straße und Hausnummer kommt man direkt zur entsprechenden Karte und den zu dem Standort vorhandenen Werten zum Lärmaufkommen. Für andere Bundesländer ist die Suche nach Information über die Lärmbelastung bestimmter Regionen derzeit noch etwas aufwendiger. Empfehlenswerte Anlaufstellen sind die Webseiten www.uglr-info.de mit Links zu den einzelnen Bundesländern und ihren verschiedenen Lärmkarten und www.tag-gegen-laerm.de mit Links zu den Karten von 26 Ballungsräumen.

Der Blick auf die Lärmkarte gibt eine erste Orientierung, mit der man bestimmte Gegenden für die Haus- oder Grundstückssuche von vornherein ausschließen kann. Er erspart aber nicht, sich über die Immobilie der Wahl vor Ort zu informieren. Dabei sollte man sich nicht nur auf den eigenen Eindruck bei einem Besuch am Sonntagnachmittag verlassen, sondern auch die Anwohner befragen. „Man denkt, die paar Züge auf dieser Nebenstrecke stören doch nicht“, so Matthias Hintzsche vom Umweltbundesamt, „bis man nachts von den Güterzügen wach wird.“ Auch Flughäfen mit relativ wenig Passagierbetrieb – beispielsweise Leipzig – können in der Nacht durch Posttransporte zur erheblichen Lärmquelle werden. Hintzsche empfiehlt außerdem, bei den lokalen Umweltverbänden nachzufragen, die in der Regel über Straßenbauvorhaben oder -ausbaupläne informiert sind. „Denn was nützt es“, so der Experte, „ ein schönes ruhiges Fleckchen Baugrund erstanden zu haben, wenn dort ab nächstem Jahr eine Umgehungsstraße gebaut wird?“

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