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Ein Bauherrenservice von Heinze

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  1. #1
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    Mindestgefälle der Abwasserleitung

    Hallo,
    Vor unserem Haus wurde ein Abwasseranschluss gelegt. Die Höhendifferenz zwischen Haus an an der Straße liegendem Anschluss beträgt 4,0 cm. Die Länge der Abwasserleitung zum Hausanschluss wären 20 m. Das ergäbe ein Gefälle von 0,2 %. In Fachveröffentlichungen lese ich von einem Gefälle von 1-2 %. In Veröffentlichungen über Kanalisation lese ich von einem Gefälle ab 0,1 %, bei einem Rohrdurchmesser von 200 mm. Wenn ich nun bis zum hausseitigen Anschluss das Abwasserrohr (ankommend 180 mm Durchmesser) im gleichen Durchmesser von der Straße hinführe, reicht das Gefälle dann aus. Man sagt doch, dass eher ein zu starkes Gefälle dazu führe, dass das Wasser abfließe, ohne die Substanz zu transportieren. Da müsste doch ein sehr geringes Gefälle nur positiv sein, oder?

  2. #2
    Moderator Avatar von Bauprofi
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    Hallo maecht,

    dazu habe ich unseren Fachmann befragt. Der sagt folgendes:

    Für die Verlegung der Abwasserleitungen auf öffentlichem Raum ist der Entsorger zuständig. Welches Gefälle die Straßenkanäle haben müssen, wird von diesem festgelegt und auch überprüft. Hierzu werden hydraulische Berechnungen durchgeführt.
    Anschlusskanäle bis zum Revisionsschacht werden ebenfalls vom Kanalnetzbetreiber festgelegt.

    In fachlichen Dokumentationen herrscht Konsens darüber, dass zur Vermeidung von Ablagerungen bei erdverlegten Abwasserleitungen und -kanälen mit geringem Durchmesser (kleiner als DN 300) im Allgemeinen eine Selbstreinhaltung eintritt, wenn sich täglich eine Geschwindigkeit von mindestens 0,7 m/s einstellt oder ein Gefälle von mindestens 1 : DN festgelegt wird. Je geringer das gewählte Gefälle, umso mehr müssen die vorgegebene Qualitäten für Bettung und Einbau der Rohre überwacht werden!

    Die Grundleitung bis zum Übergabeschacht ist nach DIN 1986-100 zu bemessen: Zitat:" Bei der Bemessung von Grundleitungen für Schmutz- bzw. Mischwasser außerhalb des Gebäudes ist eine Mindestfließgeschwindigkeit von 0,7 m/s und eine Höchstgeschwindigkeit von 2,5 m/s zu berücksichtigen. Der zulässige Füllungsgrad beträgt hier h/di = 0,7 und das Mindestgefälle J = 1 : DN."
    Also bei Nennweite 150 sollte mindestens ein Gefälle von 1:150 eingehalten werden. Ihre Annahme, dass ein zu starkes Gefälle Probleme beim Feststofftransport bereitet, trifft insbesondere bei großen Kanalquerschnitten zu und lässt sich nicht auf Hausanschlussleitungen ohne weiteres übertragen.

    Konkrete Fragen zu Ihrer Entwässerung sollten Sie auf jeden Fall mit dem Kanalnetzbetreiber klären, da dieser die Gesamtsituation kennt und für den einwandfreien Betrieb zuständig ist.
    Dieter Ehlers
    Dipl.-Ingenieur, Architekt
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  3. #3
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    Abwasser - Gefälle

    Hallo,
    danke für die Antwort. Ich muss mich da wirklich selbst schlau machen, weil das Bauvorhaben in Polen ist und ich dort den Eindruck habe, dass dort auch heute noch vieles nach der Formel pi mal Daumen gemacht wird. Ich werde mir das ganze noch mal durch den Kopf gehen lassen und sehen, ob ich bei der Zuflusshöhe noch was verändern kann, um das Gefälle zu erhöhen, welches auf die Länge berechnet nach Ihren Angaben mindestens 20 x 15 (bei DN 150), also 300 mm betragen müsste. Also reichen die 40 mm auf keinen Fall aus, oder? Aber welche Flussverlangsamung tritt bei Rohrbiegungen auf? Unterwegs werden 1 x 90 und zwei mal 130 Grad-Biegungen auftreten müssen.

    Es grüßt
    maecht

  4. #4
    Moderator Avatar von Bauprofi
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    Hallo maecht,

    noch einmal unser Fachmann für diesen Bereich:

    Für eine konkrete Berechnung sind die hydraulischen Verhältnisse maßgebend.
    Diese werden durch Abflusswerte, Rohrwerkstoff, Fließwiderstände u.v.m. bestimmt.
    Eine 90 ° Umlenkung ist z.B. kritisch und sollte vermieden werden. Wenn unvermeidlich, dann zumindest eine Revisionsöffnung vorsehen.
    Das Gefälle 1:150 bedeutet im Übrigen 1 cm auf 1,5 m Rohrlänge. Macht bei 20 Meter ca. 13 cm. 4 cm wären dann eindeutig zu wenig.
    Dieter Ehlers
    Dipl.-Ingenieur, Architekt
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  5. #5
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    Abwasserrohre

    Hallo Profi,

    zu diesem Thema habe ich auch noch eine Frage:
    Welchen Durchmesser haben überlicher weise Abwasserrohre die aus dem Keller raus komme und in den Übergabeschacht verlegt werden?
    Sind es DN100 oder DN125 oder gar DN150?
    Sind mit DN100 Probleme wahrscheinlicher als mit DN150?

    Gruß
    Philipp

  6. #6
    Moderator Avatar von Bauprofi
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    Hallo phillip,

    das sagt unser Fachmann dazu:

    Pauschal lässt sich das so nicht beantworten.
    Der Querschnitt der Rohre hängt u.a. davon ab, wie viel Abwasser zu bestimmten Zeiten anfällt und wie groß das Gefälle gewählt wurde.
    Erdverlegte Leitungen müssen aber mindestens in DN 100 ausgeführt sein, damit eine Reinigung mit Spülgerät möglich ist.

    Natürlich können auch größere Querschnitte verlegt werden wenn die hydraulischen Bedingungen stimmen.
    Probleme kommen weniger durch geringe Nennweiten zustande, als durch fehlerhafte Richtungsänderungen, falsche Bettung, Einwüchse, Kontergefälle usw.
    Dieter Ehlers
    Dipl.-Ingenieur, Architekt
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