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Thema: alte Geschossdecke modernisieren?

      
   
   
  1. #1
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    alte Geschossdecke modernisieren?

    Hallo,
    wir haben ein Einfamielienhaus Baujahr 1952 erworben und sind zur Zeit beim modernisieren.
    Was sollte ich mit der oberen Geschossdecke (unter dem Dachstuhl)machen? Oben wird ca. in 2 Jahren ausgebaut.
    Deckenaufbau von unten:
    Putz (ohne größere Risse)
    Schilfgeflecht
    Schalbretter
    Holz Dachbalken ca. 20cm hoch, die untere Hälfte Hohlraum, die obere Hälfte 10cm mit Lehm geschüttet
    Holzdielen

    Sollte ich hier lieber alles rausreißen und neu Aufbauen? Welcher Aufbau ist dann ratsam? Unten Trockenbau, oben Diele und zwischen den Balken dämmen ca.10cm, mit Dampfsperre?

    Oder einfach alles drinne lassen und hoffen das alles noch 40 Jahre hält.

    Schon mal vielen Dank im Vorraus
    Hajo

  2. #2
    Moderator Avatar von Bauprofi
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    Hallo Hajo,

    Sie brauchen nicht hoffen, dass die Deckenkosntruktion noch 40 Jahre hält. Sie hält ganz sicher noch viel länger, sofern sie nicht durchfeuchtet ist.
    Wenn Sie in 2 Jahren das Dachgeschoss ausbauen wollen, sollten Sie sich überlegen, wie die Räume genutzt werden sollen. Die Trittschalldämmung der beschriebenen Konstruktion ist nicht besonders gut, wenn Sie empfindlich sind, sollten Sie auf jeden Fall eine Trittschaldämmschicht auf die Holzdielen legen und darauf Fertigparkett o.ä.
    Bis dahin sollten Sie die Decke dämmen, da hier sehr viel Wärme verloren geht. Wenn Sie den Dachboden nicht als Abstellraum benötigen, können Sie die Wärmedämmung, die später zwischen die Sparren kommt, einfach auf den Boden legen. Sonst müßten Sie eine Balkenlage auf die Holzdielen legen und darauf Spanplatten o.ä. die Sie vieleicht auch für den späteren Dachausbau nutzen können.

    Viel Spass in Ihrem neuen Zuhause!
    Dieter Ehlers
    Dipl.-Ingenieur, Architekt
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  3. #3
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    Danke für die schnelle Antwort.
    also alles erst mal so lassen, oben Trittschalldämmung ca. 10mm dick oder weniger? Kann ich darauf auch Auslegware verlegen oder sollte da noch etwas dazwischen? Ansonsten dürfte doch Laminat auch gehen, oder?
    Meine Überlegung dazu war noch die Decke von unten mit Trockenbau abzuhängen, (falls der Putz auf dem Schilfgeflecht nicht so sehr lange hält) dies kann ich ja dann wohl sparen und die Decke von unten einfach nur Tapezieren oder Farbe o.ä.
    Sollte ich dennoch in einigen Deckenbereichen (Räumen) die Lehmschüttung entfernen, würde dann eine 10cm Dämmung bei den 20cm Deckenbalken zwischen den Balken ausreichen und ohne Dampfsperre oder ähnliches?
    Hajo

  4. #4
    Moderator Avatar von Bauprofi
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    Hallo Hajo,

    natürlich können Sie auch Laminat oder Teppichboden auf die Trittschalldämmung legen. Sie brauchen aber nur 3 - 5 mm, das bringt schon genug Trittschalldämmung.
    Die Frage nach Gipsplatten unter der vorhandenen Decke haben Sie sich schon selbst beantwortet.
    Wenn Sie unbedingt die Lehmschicht entfernen wollen, was eigentlich keinen Sinn macht, da Lehm ein sehr guter Baustoff ist und durch seine Masse mehr Trittschalldämmung bietet als 10 cm Dämmstoff, dann können Sie den Dämmstoff auch ohne Dampfsperre einbauen, da das unausgebaute Dachgeschoss die Deckenfläche belüftet. Nach dem Dachgeschossausbau ist es egal, da dann die Räume darüber ja wahrscheinlich beheizt werden.
    Dieter Ehlers
    Dipl.-Ingenieur, Architekt
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  5. #5
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    Hallo Hajo,

    ich stand vor ca. zwei Jahren vor den selben Herausforderungen wie Du. In das Thema Lehm habe ich mich gründlich eingearbeitet. Für mich ein idealer Baustoff, der das Raumklima, insbesondere die Raumfeuchte, reguliert, die Luft reinigt, Schadstoffe bindet, eine hohe Speicherkraft für Wärme hat und gut Schall isoliert. (Das Thema Tritt- bzw. Luftschall habe ich aber nachrangig behandelt, weil bei uns auf dem Dorf wenig Verkehr ist und wir als Familie alleine im Haus wohnen). Aus den vorgenannten Gründen habe ich den Lehm zwischen den Balken soweit möglich vollständig erhalten. Ich habe zusätzlich auf die vorhandene oberste Geschossdecke eine Balkenlage quer zu den vorhandenen Balken aufgebracht und den neuen Hohlraum mit Zellulose gedämmt. Dieser Baustoff ist von der Wärmedämmung her besser als Mineralwolle oder Styropor und vor allem passt er gut zu Holz und Lehm, weil er ebenfalls Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann. Die neue Balkenlage habe ich an die Steigung der Dachbodentreppe angepasst (eine Stufe mehr). Als Bodenbelag habe ich einseitig gehobelten Rauhspund mit Nut und Feder auf Kokosstreifen verlegt. Darauf kann man dann z. B. Kork oder Klick-Linoleum verlegen, wenn man den Boden nicht so lassen will. Von Laminat halte ich nichts. Kann man später nur als Sondermüll entsorgen. Ist mir auch zu empfindlich. Alternativ könntest Du auch einen Dielenboden aufbringen, statt Rauhspund. Zur unteren raumseitigen Decke: Bei uns was der alte Lehmputz stark beschädigt. Ich habe ihn komplett entfernt, gereinigt, eingesumpft und wieder aufgezogen. Vorher habe ich die komplette Decke mit Schilfrohr betackert. Über den alten groben Lehm kam dann noch eine Schicht neuer Lehm-Feinputz. Sehr schön zu verarbeiten und extrem günstig. Ich habe für 9to gerade mal 1.000 EUR bezahlt. Die Hohlräume in der alten Decke habe ich vor dem Verputzen mit Holzweichfaserresten und Jute ausgestopft. Jetzt habe ich eine ca. 30cm dicke Decke aus Holz, Lehm und Zellulose mit einem super Dämmwert. Hinweis: Das Dachgeschoss sollte bei uns nicht ausgebaut werden, daher die neue Balkenlage. Mittlerweile will ich aber oben auch noch Räume schaffen. Wir haben 4,50 Meter Firsthöhe ohne Kehlbalkenlage. Das gibt ein schönes Studio. Probleme: Die Sparren sind krumm und schief und bestenfalls 12cm stark. Unter den Ziegeln ist eine Folie vorhanden, die aber teilweise stark beschädigt ist. Dämmstoff egal welcher Art kann nicht direkt zwischen die Sparren eingebracht werden. Meine Lösungsidee: Zwischen die Sparren schraube ich links und rechts Dachlatten um einen Abstand zu den Ziegeln zu schaffen (Hinterlüftung). Gegen die Dachlatten schraube ich Holzweichfaserplatten, z. B. Gutex Multiplex Top 19mm. Gute Erfahrungen habe ich auch mit Agepan DWD und Steico Universal gemacht. Das Zurechtschneiden wird Zeit in Anspruch nehmen, weil alles krumm und schief ist. Aber so bekomme ich eine Ebene gegen die ich später dämmen kann. Nächstes Problem: Dämmstoffstärke und unebene Sparrenabschlüsse raumseitig. Meine Lösungsidee: Seitlich an die Sparren schraube ich einen mittig aufgeschnittenen 400er TJI-Träger mit 60er Gurt. Dadurch bekomme ich einen Raum von ca. 20cm für die Dämmung hin und habe gleichzeitig eine gute Befestigungsebene für meinen raumseitigen Abschluss. Den würde ich gerne mit einer sägerauhen Schalung herstellen. Darauf dann Schilfrohr und wieder mit Lehm verputzen. Ist aber sehr zeitaufwendig. Vielleicht nehme ich auch einfach OSB Platten oder Fermacell. Mal sehen. Den so entstandenen Hohlraum werde ich mir dann mit Zellulose ausblasen lassen. Vorteile dieser Konstruktion: Man kann viel selber machen. Geringes Gewicht = wenig statische Belastung des vorhandenen Gebälks. Konstruktion wird von innen nach außen dampfdiffussionsoffener, d. h. man braucht keine Folie. Guter sommerlicher Hitzeschutz durch die hohe Phasenverschiebung der Zellulose.

    Was sagen die Bauprofis dazu?

  6. #6
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    Hallo Nachtgespenst,
    Deckenaufbau von unten: wenn der alte Putz rissig war warum nicht einfach Trockenbauplatte drunter geschraubt? Wäre doch einfacher als abreißen und neu Putzen gewesen, oder wäre das Fusch?
    MfG
    Hajo

  7. #7
    Moderator Avatar von Bauprofi
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    Hallo Nachtgespenst,

    dem ist nichts hinzuzufügen, bis auf die Sparren. Die scheinen mir mit 12 cm Höhe und der angegebenen Firsthöhe nicht geeignet um die zusätzliche Last von Dämmung und der von ihnen geplanten Bekleidung der Dachschräge aufzunehmen. Ob die seitlich angeschraubten TJI-Träger die Sparren genug verstärken, kann ich nicht sagen, Sie sollten das statisch prüfen lassen.
    Noch ein Wort zu Laminat: Dieses Material ist in der Vergangenheit ständig weiterentwickelt worden und stellt heute eine Alternative zu den von Ihnen genannten Bodenbelägen dar. Die Entsorgung ist nach Angabe der Europäischen Laminathersteller kein Problem, sie schreiben:
    "Die Entsorgung ist absolut unproblematisch. Verlegereste und andere Einzelteile können mit dem ganz normalen Hausmüll beseitigt werden. Komplette, ausrangierte Böden dagegen sollte man direkt zur Mülldeponie bringen. Da Laminatböden zu 80 Prozent aus Holz bestehen, können sie problemlos verbrannt werden wie andere Holzprodukte auch. Aufgrund neuer technischer Verfahren sind Laminatfußböden sogar recycelbar. In Späne oder Fasern zerlegt können 85 Prozent der Masse eines Laminatfußbodens dem Herstellungsprozess wieder zugeführt werden. Als Kultursubstrate lassen sie sich sogar in Landwirtschaft und Gartenbau einsetzen."
    Dieter Ehlers
    Dipl.-Ingenieur, Architekt
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  8. #8
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    @ Herr Ehlers

    Wow, das man mit Laminat sogar den Garten düngen kann, wusste ich nicht. In dem von uns erworbenen Haus wurde vor längerer Zeit Laminat ausgelegt. Das haben wir entfernt und zunächst in der Scheune zwischengelagert. Als ich es verbrennen wollte, hat es fürchterlich gestunken und das Flammenbild deutete auf etliche Stoffe hin, die der Gesundheit nicht förderlich zu sein scheinen. Wir haben es dann auf die Deponie gefahren. Ich glaube für die Entsorgung haben wir mehr bezahlt, als manch einer, der sich neues Laminat aus dem Baumarkt holt und selbst verlegt.

    @ HaJo

    Das mit den Trockenbauplatten ist so eine Sache. Da gibt es verschiedene. Ich hatte mal den Gedanken die Decke mit einer Heraklith BM zu beplanken. Das ist eine magnesitgebundene Holzwolleplatte, die sich sehr gut mit Lehmputz verträgt. Kostet aber glaube ich so um die 12 EUR/m². Mittlerweile gibt es eine schöne Holzweichfaserplatte mit Lehm von Pavatex. Nennt sich Pavaclay. Ist aber auch nicht billig. Fermacell oder Rigips wollten wir in den Bereichen nicht verarbeiten. Die waren mir zu dampfdicht. Wäre aber von der Bauphysik her bestimmt auch gegangen. Vorteile: Schnell, einfach, nicht so teuer. Unsere Variante war zeitaufwendig, aber vom Material her sehr kostengünstig.

  9. #9
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    Wegen Statik im Dach

    Sie haben Recht, Herr Ehlers. Bevor mir das Dach auf den Kopf fällt frage ich mal einen Statiker. Ich denke aber es geht so wie ich es mir ausgedacht habe. Ich hätte noch erwähnen sollen, dass es ein liegender Dachstuhl mit richtig dicken Bindern aus Eiche ist. Sieht sehr stabil aus. Und die Zellulosedämmung ist nicht so schwer. Wiegt ca. 50 - 60 kg/m³. Übrigens bin ich überrascht wie preiwert die Stegträger sind. TJI kriege ich bei meinem Lieferanten nicht, aber Steico Joist. Das ist billiger als Konstruktionsvollholz! Und leichter zu verarbeiten.

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