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Unkonventionelle Möbel wie der Egg Chair von Arne Jacobsen erfreuten sich in deutschen Wohnzimmern der Sechzigerjahre zunehmender Beliebtheit. (Foto: Arne Jacobsen)

Junges Wohnen: Einrichtung im Retro-Stil der Sechziger

Beat-Musik, Popkultur und Umbruch: Der neue Lebensstil, den die Sechziger hervorgebracht haben, ist futuristisch, poppig, unkonventionell – und als Retro-Einrichtung heute wieder Kult. Gerade beim jungen Wohnen.
Die wilden Sechziger sind anfangs gar nicht so wild. Sie beginnen sogar recht brav. Das Wirtschaftswunder bringt den Wohlstand zurück und lässt jeden an Konsum- und Freizeitkultur teilhaben. VW-Käfer, Wochenendausflüge und Fernseher sind nun fester Teil des Familienlebens. Man präsentiert, was man hat, und stellt sich Schrankwand und massive Eichenmöbel in die gediegene Wohnstube. Doch die Sechziger werden zu einem Jahrzehnt des gesellschaftlichen Wandels. Die Jugend hat genug von starren Strukturen und biederem Wohlstand. Bewegt vom Drang nach Veränderung lehnt sie sich auf. Und schafft Neues.
Zoombild
Schöner Wohnen-Titelbild aus den frühen Sechzigerjahren: Die sachlichen Formen erinnern an den Bauhaus-Stil – und sind bis heute beliebt als Retro-Design (Foto: Schöner Wohnen)
Die neue Lässigkeit
Ein neuer Architektur- und Design-Stil kommt auf und verbreitet ein frisches, modernes Stilgefühl. Die sachliche Eleganz des Bauhaus-Stils kehrt zurück: Klare Formen, leichte Sessel auf Stahlrohrbeinen ersetzen den pompösen „Muff“ der Nachkriegszeit. Auch die nüchterne skandinavische Linie – filigrane Teakholz-Möbel – wird populär. Kunststoffe, neue Formen und intensive Farben lassen moderne Einrichtungen entstehen, das Leichtigkeit und Fortschritt ausstrahlen.
Die Jugend grenzt sich ab, indem sie ihre eigene Kultur erschafft. In England kommt die Beat-Bewegung ins Rollen. Die Beatles lösen Massenhysterien aus, die Stones schockieren prüde Eltern. Eine neue Mode lehnt sich gegen Bügelfalten auf; man trägt Jeans und knallige Farben. Die Haare werden länger, die Röcke werden kürzer und Möbel werden gewagter: Ein gutes Beispiel ist der futuristische Kugelsessel „Ball Chair“ aus Fiberglas. Junge Menschen trotzen der bürgerlichen Wohnform, ziehen in WGs und Kommunen, in denen ein unkonventioneller, gelöster Wohnstil herrscht. Zur Empörung der Eltern ist gepflegtes Sitzen überholt – die junge Generation lümmelt auf flachen Sofas, unförmigen Schaumstoffsesseln und verruchten Matratzenlandschaften. Die Formen sollen sich dem Körper anpassen und nicht mehr umgekehrt. Das beste Beispiel dafür ist der populäre Sitzsack, der in den Sechzigern die Wohnzimmer erobert. Was damals revolutionär war, zeichnet bis heute junges Wohnen aus.
Zoombild
Futuristisches Design und Kunststoffe: Der legendäre „Ball Chair“ von Eero Aarnio – ein kultiges Retro-Möbel der Sechzigerjahre. (Foto: Eero Aarnio)
Pop-Kultur und bunte Plastikmöbel
Die Popkultur entsteht: Eine Welle amerikanischer Einflüsse schwappt nach Deutschland und prägt Mode, Musik und Kunst. Auch das Industriedesign lebt auf, Haushaltsgeräte werden poppig und bunt. Synthetische Materialien – dank technischer Innovation leicht und günstig herzustellen – verändern die Alltagswelt. Plastik boomt und wird in allen Farben und Formen verarbeitet: zu Stühlen, Tischen, Lampen und Geschirr. Weltweit experimentieren Designer mit Kunststoffen, bringen aufblasbare Möbel und Wohnlandschaften aus Schaumstoff und Fiberglas hervor, die heute im Retro-Design zitiert werden. Die Plastikmöbel und Wegwerf-Einrichtungen verkörpern die Schnelllebigkeit und Unbeschwertheit dieser Zeit.
Love, Peace and Happiness
Aus Amerika kommt die Hippiebewegung, die sich für eine bessere Gesellschaft einsetzt, eine Lebensform mit „Love, Peace and Happiness“. Durch Experimente mit bewusstseinserweiternden Drogen entsteht der psychedelische Stil, der auch auf die Einrichtung, auf Möbel, Lampen und Tapeten Einfluss nimmt.
Die Begeisterung für die Sechzigerjahre hält an – ihrem Stil begegnet man immer wieder. Überall tauchen bunte Farben, runde Formen und futuristische Kunststoffmöbel auf. Unsere Favoriten der Retro-Welle finden Sie in der Bildgalerie.
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