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Wohngesundheit: Innovative Materialien für eine bessere Raumluft

Wege zu einer reinen Raumluft
Doch was lässt sich gegen dieses Problem unternehmen? Beim Neubau hilft am besten: Produkte meiden, die Schadstoffe enthalten. Siegel wie der Blaue Engel, das eco-Label vom Kölner eco-Institut, natureplus oder das von der Arbeitsgemeinschaft umweltverträgliches Bauprodukt vergebene AUB-Label helfen, unbedenkliche Produkte von krankmachenden zu unterscheiden. Komplizierter wird es jedoch, wenn ein Altbau betroffen ist. Einzelne Möbelstücke lassen sich noch recht problemlos entfernen. Falls Fußboden, Dachstuhl oder Wände mit schadstoffhaltigen Materialien verlegt, gebaut oder gezimmert worden sind, hilft meistens nur noch eine Komplettsanierung. Das ist teuer, aber auch die gründlichste Methode, um die Luft rein zu halten. Doch es gibt auch Alternativen: In letzter Zeit hat die Industrie immer mehr Materialien entwickelt, die nicht nur arm an Schadstoffen sind, sondern diese auch aus der Luft herausfiltern sollen. Produkte, denen eine luftreinigende Wirkung nachgesagt wird, sind Putze aus Lehm oder Kalk: Sie absorbieren Gerüche und regulieren die Raumfeuchtigkeit. FotokatalytischeLacke und Farben sollen in Verbindung mit UV-Licht Schadstoffe wie Formaldehyd oder auch Bakterien sowie Schimmelpilzsporen reduzieren können.
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Kalkfeinputz reguliert die Raumfeuchtigkeit ...
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... und absorbiert Gerüche (Fotos: Haga)
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Lehmputz verleiht Räumen eine angenehm warme Atmosphäre. (Fotos: Claytec)
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Lehmputz an der Wand wirkt ausgleichend auf das Raumklima.
Keratin bindet Schadstoffe
Und es gibt Baumaterialien wie Gipsfaserplatten oder Dämmstoffe, die sich die schadstoffsenkende Wirkung von Schafwollkeratin zunutze machen. Dass Schafwolle Aldehyde binden kann, ist seit langem bekannt. 1944 veröffentlichten Wissenschaftler ihre Studien zur Bindung von Formaldehyd an Woll-Aminosäuren. Innovative Produkte wie die Greenline Gipsfaser-Platte von Fermacell, die beidseitig mit einem Wirkstoff auf Keratinbasis beschichtet wird, soll für schadstoffarme Luft sorgen. „Aus langjährigen Erfahrungen mit Schafwoll-Produkten im Baubereich wissen wir von der positiven und lang anhaltenden Wirkung“, versichert Frank Bode, Produktmanager von Fermacell. Das Wirkprinzip ist einfach: Schadstoffmoleküle wie Formaldehyde lagern sich an der Oberfläche der greenline Gipsfaser-Platte lose an. Wenn sie dann in tiefere Schichten eindringen, reagieren sie mit dem Wirkstoff auf Keratinbasis und werden dauerhaft umgewandelt. Es entsteht eine stabile Methylenverbindung, in der die Schadstoffmoleküle nicht mehr ausbrechen und in die Raumluft gelangen können. Um festzustellen, ob die Schadstoffe tatsächlich dauerhaft gebunden werden, hat Fermacell zusammen mit dem kölner eco-Institut die Platten in umfangreichen Testreihen geprüft. In einer Kammer setzten sie die greenline Platte schadstoffhaltiger Luft aus. Regelmäßiges Messen ergab, dass die Schadstoffkonzentration sehr schnell sank. Doch bleiben die Schadstoffe auch tatsächlich gebunden? Was ist, wenn sie großer Hitze und einem hohen Luftwechsel ausgesetzt werden? Genau das sollte in einer zweiten Versuchsserie herausgefunden werden. Das Ergebnis: keine messbare Schadstofferhöhung. Bode: „Das bewies uns, dass die Schadstoffe dauerhaft in der Platte gebunden waren.“ Dass sich die greenline auch in der Praxis bewährt, haben konkrete Modernisierungsvorhaben, in denen die greenline verwendet worden ist, bereits gezeigt. Regelmäßig wird die Raumluft immer wieder gemessen und überprüft, um festzustellen, ob die Schadstoffe tatsächlich dauerhaft in der Platte gebunden sind. Diese ersten Messergebnisse aus der Baupraxis bestätigen dabei die positiven Laborversuche.
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Diese Baumaterialien sind nicht nur frei von Schadstoffen. Sie sollen sogar helfen, den Schadstoffgehalt in der Raumluft zu verringern. Von links: Kalkfeinputz, Dämmmaterial aus Schafwolle, Lehmputz und die greenline Gipsfaser-Platte. (Fotos: Von links: Haga, doschawolle, Claytec, Fermacell.)
Umweltfreundlich und erschwinglich
Wie eine klassische Fermacell Gipsfaser-Platte wird die greenline umweltfreundlich hergestellt. Unter Druck werden recyceltes Papier, Gips und Wasser zu Bauplatten gepresst. Doch ist ein so innovativer Baustoff nicht kostspielig? „Die greenline ist circa 15 Prozent teurer als die herkömmliche Gipsfaserplatte. Wer sich für sie entscheidet, muss bei einem durchschnittlichen Dachgeschossausbau mit Mehrkosten von rund 210 Euro rechnen“, erläutert Joachim Dietsche, Vertriebsleiter innerhalb der Xella- Gruppe. Umgerechnet auf eine zehnjährige Nutzung belaufen sich die monatlichen Mehrkosten auf etwa 1,75 Euro. Wirklich nicht zu viel für einen gesundheitlichen Zusatznutzen.
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