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Natürliche Pigmente: mit Farben gestalten. (Foto: Dan Brady)

Farbenlehre: Farbe - Entstehung und Wirkung (Teil 1)

Mehr als 80 Prozent der Sinneseindrücke entfallen auf das Sehen. Farben gehören zu den stärksten optischen Reizen. Eine Einführung in die Grundlagen – Farbenlehre Teil eins.
Farben können beim Betrachter sowohl eine geistige als auch eine emotionale Wirkung hervorrufen und damit auch das Wohlbefinden eines Menschen positiv oder negativ beeinflussen. Aber was ist Farbe eigentlich? Johannes Itten, seinerzeit Zeichenlehrer am Staatlichen Bauhaus Dessau, bezeichnete die Farben als „Kinder des Lichts“. Goethe schrieb über die Farbe, dass sie es sei, „über die wir viele Gegenstände eigentlich erkennen oder wodurch sie uns interessieren“.
Zoombild
Additive (links) und subtraktive Farbmischung. (Fotos: Quark67)
Licht und Reflexion
In der Physik sind Farben elektromagnetische Schwingungen des Lichts. Ein Prisma zerlegt das Licht in seine sechs Spektralfarben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Umgekehrt wird durch die Bündelung aller Farben weißes Licht erzeugt. Daraus leitet sich der Begriff „additive Farbmischung“ ab.
Jede Farbe hat eine eigene Wellenlänge: Rot wird am schwächsten gebrochen und ist mit etwa 780 nm (1 Nanometer ist 1 Millionstel Millimeter) am langwelligsten, Violett wird am stärksten gebrochen und ist mit einer Wellenlänge von 380 nm am kürzesten. Der Farbeindruck eines Gegenstands – daher Gegenstands-, Pigment- oder Körperfarbe genannt – entsteht durch Reflexion des Umgebungslichtes. Ein roter Gegenstand ist nicht von Natur aus Rot, sondern er reflektiert ausschließlich das Licht, das eine Wellenlänge von etwa 780 nm hat. Alle übrigen Wellenlängen werden durch den Gegenstand absorbiert, also verschluckt. Deshalb spricht man bei der Mischung von Pigmentfarben auch von der „subtraktiven Farbmischung“.
Zoombild
Der Farbkreis nach Johannes Itten mit seinen Primär- (inneres Dreieck), Sekundärfarben (Sechseck) und den jeweiligen Farbabstufungen (Kreis). (Grafik: Malte Ahrens)
Grundlagen der Farbenlehre
Basis der Farbenlehre von Gegenstandsfarben sind die drei Grund- oder Primärfarben: Blau (bzw. Cyan), Gelb und Rot (bzw. Magenta). Diese können nicht durch die Mischung von anderen Farben hergestellt werden, außerdem lassen sich aus ihnen alle anderen Farben mischen. Dazu kommen die „Nicht-Farben“ Schwarz und Weiß. Die drei Farben der nächsten Rangordnung, die Sekundärfarben, ergeben sich aus der Mischung von jeweils zwei Grundfarben. So wird aus Rot und Gelb Orange, aus Blau und Gelb Grün und aus Blau und Rot Violett. Stellt man einer Grundfarbe, zum Beispiel Blau, die Mischfarbe der beiden anderen Farben, in diesem Fall Orange gegenüber, spricht man vom Komplementär-Kontrast. Komplementärfarben können, wenn man sie nebeneinander setzt, eine enorme Leuchtkraft entwickeln.
Wie die Farbe ihren Namen bekommt
Zur Farbenlehre zählt auch die Bestimmung einer Farbe. Hierzu sind drei Begriffe relevant: Sättigung, Helligkeit und Ton. Je mehr weißes Licht eine Farbe enthält, desto weniger gesättigt ist sie. Die Farbhelligkeit sagt etwas über das scheinbare Leuchten einer Farbe aus. Und der Farbton gibt der Farbe ihren Namen. Er wird durch die Lage der Farbe im Farbspektrum bestimmt.
Querschnitt des menschlichen Auges. (Grafik: Thalos)
Wahrnehmung von Farbe
Was genau macht nun das menschliche Auge, um Farben erkennen zu können? Physiologisch sind für die Wahrnehmung der Farben die lichtempfindlichen Nervenzellen der Netzhaut, die Stäbchen und Zapfen, notwendig. Dabei unterscheiden etwa 120 bis 130 Millionen Stäbchen pro Auge die Helligkeitswerte, während sechs bis sieben Millionen Zapfen die unterschiedlichen Farben wahrnehmen. Über Nervenleitungen werden diese Informationen an das Gehirn weitergegeben. Erst hier erfolgt die eigentliche Farbwahrnehmung, die zur Farbempfindung führt.
Wirkung von Farben
Wie erwähnt, wusste Goethe um die Wirkung der Farbe auf das menschliche Gemüt. Er ging davon aus, dass Menschen „im Allgemeinen eine große Freude an der Farbe empfinden“. Inzwischen ist erwiesen, dass Farben Einfluss auf Funktionen des vegetativen Nervensystems und somit eine heilende Wirkung haben können. Die Farbtherapie hat ihren Ursprung in der Antike und wird heute in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens (Werbung, Verkauf) und auch flankierend in der Medizin eingesetzt.
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