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Gartengestaltung: Ein Wald zum Träumen

Das Oldenburger Land ist ein Paradies für Liebhaber von Rhododendren. Dort haben die schönen Waldpflanzen aus Asien das, was sie brauchen: lockeren und humusreichen Boden und ein lichtes Blätterdach über dem Kopf. Ruth und Bernhard Gätjen nutzen das Spiel aus Licht und Dunkel und pflegen mit Hingabe ein gärtnerisches Paradies.
Zoombild
Gesehen haben sie schon fast alle Lebensräume der Rhododendren: Ruth und Bernhard Gätjen suchen ihre große Liebe unter den Gartenpflanzen gern in aller Welt. Selbst beim beschwerlichen Trekking im Himalaja stiegen sie auf der Suche nach der faszinierenden Gehölzgattung bis über die Baumgrenze hinaus. Schon seit 1965 sind die beiden begeisterte Gärtner, die ihr 6500 Quadratmeter großes Grundstück im oldenburgischen Sandkrug – in der Nähe des baumschulbelebten Ammerlands – in ein Paradies für Waldpflanzen verwandelt haben. Dass heute unter den lichten Kronen alter Waldkiefern und Birken eine artenreiche Pflanzengesellschaft gedeiht, ist aber nicht nur gärtnerischer Hingabe zu verdanken. Denn 1972, im verflixten siebten Jahr, fegte ein Orkan über Teile des Kiefernwalds hinweg. Es wurde Licht im Garten Gätjen, und neue Perspektiven öffneten sich. Günstige Bedingungen bietet das Grundstück ohnehin: Auf einer alten Wanderdüne gelegen, gibt es sanfte Bodenmodellierungen und vor allem einen lockeren Boden – ideal für Rhododendren, die mit ihren flach streichenden, feinen Faserwurzeln in jedem schweren Lehmboden keine Chance hätten. Hier gedeihen neben zahlreichen Wildformen vor allem Züchtungen älteren Datums.
Ein Blütenmeer von März bis Juni
Im Ammerland, dem Zentrum deutscher Rhododendronzüchtung, sind Gätjens sozusagen an der Quelle. Und in ihrem Garten blühen alljährlich von März bis Juni über 300 verschiedene Sorten, darunter viele Naturformen und historische Sorten. Deren Wuchsverhalten ist meistens weit entfernt von den kompakten, bis zum Boden dicht belaubten Rhododendren, die heute so gefragt sind. Alte Sorten wachsen oft locker und verkahlen mit zunehmendem Alter von unten her. Sie stark zurückzuschneiden, um einen kompakten Wuchs zu erhalten, erscheint in einer so natürlich wirkenden Umgebung wie in diesem Garten fast als ein Sakrileg. Denn im Spiel von Hell und Dunkel kommen die lichten Gestalten der alten Sorten erst richtig zur Geltung. Auch die Farben leuchten hier ganz anders als in sonnigen Vorgärten. Gerade Rottöne wie jener der berühmten Rhododendron arboreum-Hybride ‘Britannia’ wirken hier intensiv, ohne grell zu scheinen, und leuchten aus dem vielfarbigen Grün der Gartenlandschaft dem Betrachter entgegen.
Zoombild
Höhepunkt im Mai
Auf dem Höhepunkt kann man den Garten im Mai erleben. Dann blühen über 200 Rhododendren und zaubern aufregende Farbtupfer in das sonnendurchflutete Gartenreich. Da der Garten so groß ist, setzen Gätjens während der übrigen Zeit des Jahres auf Blütenpflanzen, die einen natürlichen Ausbreitungsdrang haben. Schneeglöckchen und Krokusse, Anemonen und andere Zwiebelpflanzen säen sich reichlich aus. Ebenso wie die orangefarbenen Tiger-Lilien (Lilium lancifolium), die im Sommer für exotische Blütenpracht sorgen. Sie vermehren sich nicht nur durch Aussaat – dazu muss man immer einige Blütenstängel stehen lassen, damit sie zur Samenreife kommen –, sondern auch durch die in den Blattachseln gebildeten Brutzwiebeln. Beim Thema Aussaat hat das Ehepaar Gätjen auch mit den Rhododendren Glück: Etliche aus staubfeinen Samen selbstgezogene Pflanzen warten in den Anzuchtbeeten auf einen Platz im Garten.
Gern verraten die Gartenbesitzer Besuchern ihre Erfahrungen: Wer etwa geeignete Bodendecker sucht, die im lichten Schatten unter Rhododendren gedeihen, dem raten sie, darauf zu achten, nur Stauden mit feinem, lockeren Wurzelwerk auszuwählen, das nicht in Konkurrenz zu den Rhododendren steht. Große Hosta-Sorten würden sie zum Beispiel nicht flächig in der Nähe des Wurzelbereichs pflanzen, weil sie einen dichten Ballen aus fleischigen Wurzeln bilden. Besser geeignet sind Pflanzen, die sich durch Rhizome oder Ausläufer ausbreiten. Teppich-Hartriegel (Cornus canadensis) beispielsweise: Diese kleine Pflanze ist eine Besonderheit unter den sonst strauchigen Hartriegeln. Sie bildet auf saurem Boden – wie ihn die Rhododendren lieben – an schattigem bis halbschattigem Standort nach einigen Jahren ansehnliche Bestände. Wer es schneller dicht haben möchte, dem rät Bernhard Gätjen, von Anfang an acht bis zwölf Pflanzen pro Quadratmeter einzuplanen. Weitere geeignete Partner sind: Großwurzeliger Storchschnabel (Geranium macrorrhizum), kleine Hosta-Sorten, Elfenblumen (Epimedium), Taubnessel (Lamium), Waldmohn (Hylomecon japonica) und andere.
Farblehre außer Kraft gesetzt
Einen Garten wie eine zufällig entstandene Anlage wirken zu lassen, ist die größte Kunst der Gestaltung. Gespickt mit versteckt liegenden Sitzplätzen nutzen die Gätjens den Waldcharakter ihres Grundstücks, um genau dies zu perfektionieren. Wenn dann im Frühsommer die teilweise mehrere Jahrzehnte alten Büsche mit Blüten übersät sind, geraten alle Geschmacksfragen in Vergessenheit. Dann gefällt selbst dem konservativsten Betrachter Oranges neben Pink und Rotes neben rosa Blühendem, und erklärte Rhododendron-Feinde lassen sich von der Schönheit der Pflanzen aus Fernost überzeugen.
Nach Anmeldung kann der Garten auch besucht werden: Dr. Bernhard und Dr. Ruth Gätjen, Poststraße 6, 26204 Sandkrug. Tel. 04481/7140.
Wir veröffentlichen diese Geschichte mit freundlicher Genehmigung des Callwey-Buchverlags. In „Die schönsten privaten Gärten“, geschrieben von Oliver Kipp, werden 29 weitere, ganz persönliche Gartenparadiese in Wort und Bild vorgestellt.
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