Interview mit Ute Woltron, Autorin des Buches "Menschen sind auch nur Gärtner"

Interview mit Ute Woltron, Autorin des Buches "Menschen sind auch nur Gärtner"

Ute Woltron ist freie Journalistin und arbeitet für die Wiener Tageszeitung „Der Standard“, den ORF-Kultursender Ö1 und diverse internationale Medien. Wenn die Österreicherin nicht gerade schreibt, pflegt sie mit Hingabe ihren Garten.
Wie sind Sie zur Gärtnerei gekommen?
Ich stamme aus einer Familie passionierter Gartenmenschen, da bleibt einem gar nichts anderes übrig, als Rechen und Haue zu schultern. Die ersten paar Quadratmeter Garten hat man mir mit vier, fünf Jahren überantwortet und gesagt: Mach daraus, was dir gefällt. Da muss man eben durch.
Sie selbst haben ja einen großen Garten und sind eine erfahrene Gärtnerin. Wie könnten Sie einem Laien wie mir das Gärtnern schmackhaft machen? Und wie würden Sie es mir vermiesen?
Ich würde Sie zuerst mit meinen Weingartenpfirsichen füttern und dann mit Erdbeeren Mara de Bois. Wenn das nicht reicht, fange ich eine Forelle, entzünde ein Feuerchen, grabe Kartoffeln aus – und während alles brät, erkläre ich Ihnen, dass es mir im Gegenzug nicht gelingen wird, Ihnen das Gärtnern zu vermiesen, da wir ja gerade dabei sind, den Gegenbeweis zu erbringen.
Welches ist die lustigste Geschichte, die Sie als Gärtnerin oder Gartenbuchautorin erlebt oder gehört haben?
Die Geschichte von einem Umweltaktivisten, der sich – auf seinem Balkon von einer Invasion von Dickmaulrüsslern gequält – eine Nematodenlieferung in landwirtschaftstauglicher Größe kommen ließ und nach deren Versagen heimlich über Genmanipulation nachzusinnen begann. Zum Glück nur kurz und in der Phase der Verzweiflung.
Wenn ich als Laie nachfragen darf: Was sind Dickmaulrüssler und Nematoden?
Dickmaulrüssler sind ganz üble kleine Käfer, die alles kurz und klein fressen, so gut wie unausrottbar sind und gern in ungeheuerlichen Massen auftreten. Nematoden hingegen sind Fadenwürmer, die in der Erde leben und gern Dickmaulrüsslerlarven fressen. Also: biologische Bekämpfung, wie sich’s gehört! Kann man kaufen – so wie Marienkäferlarven gegen Blattläuse.
Ihr Buch ist erfrischend anders als übliche Gartenratgeber. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diesen Gartenratgeber zu schreiben?
Die Geschichten sind eigentlich Kolumnen, die wöchentlich in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ erscheinen und sich der Angelegenheit auf jeden Fall mit Augenzwinkern nähern sollen. Im wirklichen Leben bin ich natürlich absolut keine Profigärtnerin, sondern Journalistin mit dem Schwerpunkt Architektur.
Können Sie anhand des Gartens erkennen, was für ein Mensch sein Besitzer ist?
Klar. Hinter linealgerade geschnittenen Thujenhecken leben andere Typen als hinter wild wuchernden Heckenlandschaften. Versailles-Hausherr Ludwig XIV. war wahrscheinlich auch ein anderes Format als Dr. Schreber – ohne einem der beiden nahetreten zu wollen.
Wodurch zeichnen sich Thujenhecken aus?
Thujen sind die hässlichen, stinkenden und giftigen Sträucher, die so viele Leute an den Grundstücksgrenzen pflanzen, weil sie schnell wachsen und blickdicht sind. Die sind aber nicht endemisch, also hier nicht heimisch, und die Tiere mögen die auch gar nicht. Thujenhecken sind ganz übel.
Gibt es nationale Unterschiede zwischen Gärtnern, die Sie typisch finden?
Vereinfacht gesagt: Die Briten sind die Staudenbeetkönige, die Italiener die Gemüsekaiser. Das hat sowohl kulturhistorische als auch ökonomische und nicht zuletzt klimatische Hintergründe. Mein Tipp: Aus allem das Beste nehmen und wild durcheinandermischen.
Welchen Rat würden Sie Anfängern geben, die sich stärker um ihren Garten kümmern wollen?
Sie sollten sich keinesfalls nur auf Fachliteratur verlassen, sondern vor allem Anschluss zu erfahrenen Gärtnern der Umgebung suchen. Dort werden sie mit Begeisterung im Club aufgenommen und mit Infos und Pflanzen versorgt. Das Missionarische, das liegt uns nämlich. Und uns, das sind die mit der Erde unter den Fingernägeln.
Können Sie Ihren eigenen Garten und Ihre Vorlieben beschreiben?
Mein Garten muss prächtig wild und üppig anzuschauen sein, viel Obst und Gemüse abwerfen, er soll wie eine Erweiterung meiner Wohnräume funktionieren und die unterschiedlichsten Zonen und Zimmer haben. Sagen wir, er ist auf dem Weg dorthin. Der ist allerdings lang. Aber, wie wir wissen, auch das Ziel.
Welche Eigenschaften braucht man unbedingt, um erfolgreich zu gärtnern?
Liebe zur Kreatur. Der Rest folgt.
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