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Othmar Schaerffer, Leiter der Dienststelle für Prävention und Opferschutz bei der Polizei Hamburg
Polizeihauptkommissar Othmar Schaerffer, Leiter der Dienststelle für Prävention und Opferschutz bei der Polizei Hamburg, erklärt, wodurch Einbrecher angezogen werden und wie Sie sich und Ihr Zuhause schützen können.

Jede Öffnung ist eine Schwachstelle

In der aktuellen Polizeistatistik heißt es, dass 2007 bundesweit rund 109 000 Einbrüche registriert wurden. Was bedeuten diese Zahlen?
Schaerffer: In der Langzeitbetrachtung sind die Zahlen deutlich rückläufig. Insgesamt kann man sagen, dass sich die Taten in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert haben. Von den Taten bleiben grob ein Drittel in den Anfängen stecken, wir hoffen aufgrund von Sicherungsmaßnahmen.
Muss man jetzt im Winter eher mit Einbrüchen rechnen als im Sommer?
Schaerffer: In der dunklen Jahreszeit ist die Arbeit für die Täter natürlich günstiger, weil sie sehen können, ob jemand zu Hause ist. Das Entdeckungsrisiko ist auch geringer, da die Einbrecher in der Dunkelheit weniger auffallen.
Das heißt, die allgemeine Angst vor nächtlichen Einbrüchen ist begründet?
Schaerffer: Nein, statistisch gesehen wird nachts deutlich weniger eingebrochen als am Vormittag. Nachts sind die Leute zu Hause, die Täter kommen dann, wenn die Bewohner nicht da sind. Das ist in den Vormittagsstunden gegen 11 Uhr, dann sind die Leute bei der Arbeit, die Kinder sind in der Schule oder die Mutter ist einkaufen.
Welche Gebäudearten oder Gegenden bevorzugen Einbrecher?
Schaerffer: Da kann man keine generelle Aussage treffen. Der Täter weiß vorher nicht, was ihn an Diebesgut erwartet, ihn lockt die Gelegenheit. Die Gelegenheitstäter machen den Großteil der Einbrecher aus. In Mehrfamilienhäusern sind die Fenster im Erdgeschoss oder die Wohnungsabschlusstüren besonders gefährdet. Im obersten Stockwerk ist die Chance, gesehen zu werden, sehr viel geringer als im Erdgeschoss. An der Haustür eines Mehrfamilienhauses gibt es in der Regel auch keine zuverlässige Zutrittskontrolle.
Was lockt diese Gelegenheitstäter denn noch an?
Schaerffer: Fehlende Beleuchtung zum einen, ein unbewohnt wirkendes Haus, schwer einsehbare Bereiche und natürlich fehlende Sicherungen wie zusätzliche Riegel, Schlösser etc., die man von außen sehen kann.
Gibt es daneben hauptsächliche Schwachstellen an einem Haus?
Schaerffer: Jede Gebäudeöffnung ist erst einmal eine Schwachstelle. Die Statistik sagt klar aus, dass vor allem in Fenster und Terrassentüren eingestiegen wird. Die meisten Fenster haben eine standardisierte Beschlagtechnik aus Spritzguss. Die Fenster halten Wind und Regen ab, nicht aber etwa Hebewerkzeuge wie Schraubenzieher. Rahmen und Flügel lassen sich meist leicht auseinanderdrücken, da ist der Täter in 20 Sekunden drin.
In Krimis sieht man die Täter ja meist das Fenster einschlagen.
Schaerffer: In der Realität macht das Lärm und das Verletzungsrisiko ist hoch. Fenster werden eingeschlagen, um durchzugreifen und das Fenster mit dem Griff zu öffnen. Dagegen schützt ein abschließbarer Fenstergriff und eine einbruchhemmende Verglasung.
Welche technischen Sicherungsmaßnahmen kann man noch am Haus treffen?
Schaerffer: Die Haustür braucht ein stabiles Türblatt. Bei der Nachrüstung einer womöglich hohlen Tür aus Furnierholz kann man mit einer Metall- oder Sperrholzplatte einen Durchbruchsschutz herbeiführen. Dazu kommt die Verriegelungstechnik: Durch ein Zusatzschloss sollte ein zweiter Haltepunkt geschaffen werden. Möglich sind auch bedienfreundliche Mehrfachverriegelungen, wo ein Schließvorgang mehrere Schließpunkte beinhaltet. Die Schließbleche, in die die Riegel des Schlosses greifen, sind im besten Fall im Mauerwerk verankert. Die Scharnierseite der Tür sollte ebenfalls durch sogenannte „Hintergreifhaken“ gesichert sein. Türketten und Ähnliches dienen als Anwesenheitsschutz, besser ist ein Kastenschloß, das auch von außen verriegelt werden kann. Bei Fenstern sollten ein umlaufender Beschlag, durchbruchshemmendes Glas und ein verschließbarer Fenstergriff, wenn nicht zusätzliche Fensterriegel die Regel sein.
Vieles kann sicherlich schon beim Neubau richtig gemacht werden. Was kann man schon in der Planungsphase beachten?
Schaerffer: Diese Phase ist natürlich optimal, um Sicherheit gleich einzuplanen, da eine Nachrüstung um ein Vielfaches teuerer ist. Vor allem sollten geprüfte einbruchhemmende Fenster und Türen verbaut werden. Produkte, die nach der sogenannten DIN V ENV 1627-30 zertifiziert sind. Wir empfehlen hier von sechs möglichen Stufen die Widerstandsklasse 2, die einen guten Schutz gegen Angriffe von Gelegenheitstätern bietet. In Hamburg besteht seit einigen Jahren die Kooperation „Netzwerk sicheres Wohnen“ aus Polizei und Bauunternehmen. Bauherren werden dabei baubegleitend mit einbruchssicheren Produkte und Bauweisen beraten.
Was ist beim Einbau dieser Produkte zu beachten?
Schaerffer: Das beste Produkt nützt nichts, wenn es falsch eingebaut ist. Auch hier gibt es in den bundesweiten kriminalpolizeilichen Beratungsstellen Listen mit Firmen, die auf bestimmte Qualitätsstandards geprüft sind und Einbauten und Nachrüstung professionell vornehmen.
Beim Thema Einbruchsprävention liegen nach wie vor Alarmanlagen und Bewegungsmelder im Trend. Was halten Sie davon?
Schaerffer: Allein auf diese Techniken zu setzen wäre fahrlässig, eine mechanische Sicherung ist Grundvoraussetzung. Das Vorhandensein einer Einbruchmeldeanlage kann eine abschreckende Wirkung haben. Aber die Anlage meldet den Einbruch und verhindert ihn nicht. Auch Licht schreckt ab, da empfehlen wir 500-Watt-Halogenstrahler mit Bewegungsmelder. Auch hier sollte es sich immer um geprüfte Produkte handeln.
Ist es möglich, auch durch das eigene Verhalten Einbrüchen vorzubeugen?
Schaerffer: Ja, indem man vorhandene Sicherungen konsequent nutzt. Dazu gilt: Fenster nicht auf kipp stehen lassen, immer aufmerksam sein, keine Abwesenheitszeiten auf Anrufbeantwortern hinterlassen, das Garagentor schließen und die Tür verriegeln. Das richtige Verhalten kostet nichts und sollte ein Automatismus sein. Nicht zuletzt ist eine gute Nachbarschaft der beste Einbruchsschutz. Man sollte sich bei der Grundstücksbegrenzung nicht abschotten, im Urlaub sollte der Briefkasten geleert und Verdächtiges gemeldet werden.
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