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Wunderbare Moderne, Foto: Clemens Birkenbach
Fit für die Zukunft
Motive für die Modernisierung eines Altbaus können vielfältig sein. Nicht immer steht die Energieeinsparung im Vordergrund. Beispiel: Ein 50er Jahre-Haus aus dem Raum Siegburg.
Dank der Lösung, die Ute Reiter gefunden hat, haben die Eigentümer heute doppelt so viel Platz, zahlen aber weniger für das Heizen. Die Architektin ließ das Satteldach des Bestands entfernen und ersetzte es durch einen einstöckigen Aufbau mit vorgebautem Treppenhaus. Beides wurde in Holzbauweise gebaut. Diese zeichnet sich durch hohe Dämmungsgrade bei schmalen Wandstärken aus. Zur Dämmung der Aufstockung wurden Zelluloseflocken eingeblasen. Der Rest erhielt von außen ein Wärmedämmverbundsystem.
Im Maßnahmenpaket waren auch Fenster und Heizung enthalten: Die alten Fenster wurden gegen zweifach verglaste Wärmeschutzfenster mit einem guten U-Wert (1,1) getauscht, die Gas-Standard-Heizanlage auf Gas-Brennwert-Technik umgestellt. Diese Technik nutzt den Brennstoff so gut, dass manche Hersteller Nutzungsgrade bis zu 111 Prozent angeben.
Am wirtschaftlichsten saniert man einen Altbau energetisch, wenn ohnehin etwas getan werden muss – sei es am Dach, bei den Fenstern oder weil der Schornsteinfeger die rote Karte zeigt. Auch die steigenden Energiekosten – innerhalb des letzten Jahres zogen allein die Heizölpreise um 21,5 Prozent an – motivieren mehr und mehr Bauherren zum Handeln. Je schneller, desto besser! Es ist kaum wahrscheinlich, dass die Brennstoffkosten noch ein mal sinken. Die Fördermittel, die der Staat derzeit über die KfW-Förderbank vergibt, werden irgendwann erschöpft sein.
Welche Finanzhilfen aus dem Strauß der KfW-Maßnahmenpakete infrage kommen und wie man sie am besten beantragt, darauf sind Architekten, Ingenieure und viele Energieberater spezialisiert. Unabhängig vom Alter und Typ eines Hauses können sie heute fast jeden Altbau in ein Niedrigenergiehaus verwandeln – wenn die Bausubstanz stimmt.
Es bleibt natürlich ganz und gar den Wünschen des Bauherrn überlassen, wie das Haus nach einer Energiesanierung aussieht.
Beispiel Chiemsee: Der Charakter einer malerischen Villa wurde sogar noch unterstrichen, als Architekt Martin Schaub beidseits moderne Anbauten anfügte. Obwohl die Erweiterung schon zehn Jahre zurückliegt, überzeugt das Haus noch heute durch innovative Technik. Es nutzt Sonnenenergie zur Bereitung des warmen Wassers und besitzt ein System zur Regenwassernutzung.
Etwas ganz Besonderes ist die Sockelleistenheizung. Sie erwärmt die Außenwände von innen mit dem Ergebnis, dass in den Räumen der Wärmebedarf sinkt. Ursache ist ein physikalisches Phänomen, das sich manch Planer zunutze macht: Die Warmluft über der Heizung schmiegt sich bis zu einer Höhe von etwa 150 Zentimetern an die Wände an. Dadurch entsteht ein sehr angenehmes und gesundes Raumklima mit warmen Wänden und relativ niedrigen Lufttemperaturen. Das Gute daran: Die „gefühlte“ Behaglichkeit lässt sich mit vergleichsweise wenig Energie erzeugen.
Es ist zwar nicht das älteste deutsche „Niedrigenergiehaus im Bestand“. Aber das Fachwerkhaus, das Carsten Herbert gerade in einen Energiesparer verwandelt, hat mehr als zweihundert Jahre auf dem Buckel. Der Bauingenieur erinnert sich noch gut an seine Kinderjahre in dem Haus: „Als ältester Sohn war ich für das Holz zuständig, mit dem wir geheizt haben.“ Eine wahre Plackerei und, wie Carsten Herbert inzwischen weiß, eine höchst ineffiziente Sache.
Vor der Sanierung lag der Primärenergiebedarf des Hauses bei 370 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Durch die Modernisierung wurde dieser Bedarf auf jährlich rund 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter gesenkt. Wenn die Sanierung im Frühjahr 2008 abgeschlossen ist, unterschreitet das denkmalgeschützte Haus den Primärenergiebedarf eines Neubaus nach Energieeinsparverordnung (EnEV) um 87 Prozent. Gleichwohl wird es immer noch mit Holz beheizt. Seine Wärme bezieht es aber künftig aus einem Nahwärmenetz. Genauer: aus einer Holzpelletsanlage, die beim Nachbarn steht.
Holz wird nicht mehr nur zum Heizen benutzt, wegen seiner natürlichen Ausstrahlung erfreut es sich auch als Fassadenverkleidung zunehmender Beliebtheit. Beispiel Essen: Hier hüllten Christian Happe und Christian Hansen ein Haus aus den 60er Jahren von oben bis unten in Lärchenholz. Damit erzielten sie ein überraschend modernes Erscheinungsbild.
Um bestehende „Wärmebrücken“ abzubauen, ordneten sie den schmalen Balkon des Altbaus dem Wohnraum zu. So entstand, wie Christian Happe sagt, „ein ebenmäßiger Raumabschluss“. Wärmebrücken sind Zonen, in denen teuer bezahlte Wärme ungehindert von innen nach außen fließen kann. Man findet sie vor allem dort, wo aus einer Fassade Balkons, Gesimse oder andere Bauteile hervorragen. Je „glatter“ eine Außenwand ist, umso besser sind die energetischen Werte. Doch nicht nur eine homogene Fassade, sondern auch die großzügig bemessene Photovoltaik auf dem Dach spricht für ein hohes Energiebewusstsein der Bewohner.
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