Überraschend warm und wohnlich: ein Sichtmauerwerk aus Kalksandstein. (Unika)

Materialien für konventionelles Bauen

Welches Material wird eigentlich verarbeitet, wenn Häuser Stein auf Stein gebaut werden: Beton, Kalksandstein, Ziegel?
Deutsche Bauherren sind konservativ. Die meisten jedenfalls. Das merken die Hersteller von Fertighäusern immer wieder, auch die Zimmereien, die komplette Häuser anbieten, wenn ihnen ein populäres Vorurteil entgegengehalten wird: „Aber ein Holzhaus ist doch gar kein richtiges Haus, ein richtiges Haus wird Stein auf Stein gemauert.“ (Das ist natürlich Unsinn: Häuser, die in Holzrahmenbauweise entstehen, sind sehr wohl richtige Häuser, ihr Geld wert und sehr stabil.)
Aber was heißt das eigentlich: „Stein auf Stein“? Ziegel auf Ziegel, Kalksandstein auf Kalksandstein oder Porenbeton auf Porenbeton? Die Auswahl der Baustoffe für Massivhäuser ist nämlich in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen. Ebenso hat sich die Art ihrer Verarbeitung stark verändert. Immer häufiger werden, wie beim Holzrahmenbau auch, bereits große Wandtafeln auf die Baustelle geliefert und vor Ort nur noch aufgestellt.
Mit millimetergenau formatierten Blöcken von Kalksandstein-, Ziegel-, Leicht- oder Porenbeton-Plansteinen nämlich wurde auch die klassische Bauweise des Mauerns revolutioniert. Die Backstein-Mörtelfuge von 2 Millimetern, Jahrhunderte üblich als Ausgleichsmasse für abweichende Steinformate, hat sich erledigt. Ein bis drei Millimeter dick wird heute der Mörtel aufgetragen, vom Maurer sogar mit einem automatischen Mörtelschlitten. Die Blöcke sind nach DIN genormt und häufig zudem mit Nut und Feder für eine perfekte, winddichte Verbindung ausgestattet.
Und was heißt hier eigentlich noch „mauern“? Die Elemente werden gesägt, aneinander gereiht, aufeinandergestapelt und verklebt. Für Tür- und Fensterstürze oder Rollladenkästen gibt es eigens geformte Elemente – und wer sich jetzt an die Lego-Baukästen seiner Kinder erinnert fühlt, liegt genau richtig. Deswegen eignen sich manche Systeme auch für den ambitionierten Selbermacher, der sein Haus in Eigenregie bauen will.
Zoombild
Porenbeton: sehr gute Wärmedämmung, gut zu verarbeiten
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Kalksandstein: hoher Schallschutz, sehr druckfest
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Ziegel, hier mit Perlite-Füllung, sind besonders beliebt.
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Bimsstein, auch Leichtbeton genannt, dämmt sehr gut.
Also: Was bedeutet „Stein“, was versteht man unter „massiv“? Dass wir es mit Materialien zu tun haben, die aus Sand, Kalk- oder Bimsstein, Kies oder Ton hergestellt werden (aus Natursteinen errichtet man ja höchstens noch Fassaden). Entscheidend für die Auswahl sind also eine ganze Reihe von Kriterien, in denen sich die verschiedenen Baustoffe durchaus unterscheiden.
Aus ihnen sollen Wände und Decken entstehen, die
gegen Wärmeverluste dämmen
Brandschutz sowie Schallschutz gegen Lärm von außen und im Haus garantieren
keine Chemikalien und Schimmelsporen ausgasen
gegen Elektrosmog schützen
wind- und wasserdicht sind, nicht schimmeln und faulen
große Wärmespeichermassen haben, die im Sommer für kühle Räume sorgen und im Winter die durch die Fenster einstrahlende Sonnenenergie speichern und das Haus bis nachts wärmen.
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Schöne Kombination: Ziegel und Kalksandstein (Unika)
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Klassisches Ziegel-Verblendmauerwerk (Viebrock)
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Moderner Massivbau (Hebel)
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Auch Dächer gibt‘s massiv. (Hebel)
Betrachten wir die verschiedenen Baustoffe, die üblicherweise beim Massivbau zum Einsatz kommen: Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton, Beton und Bimsstein.
Der Ziegel ist der mit Abstand am häufigsten verwendete Wandbaustoff, jedes zweite Haus in Deutschland wird daraus gebaut. Er verfügt über sehr gute bauphysikalische Eigenschaften, ist vor allem wegen seiner hohen Wärmedämmfähigkeit sowie seines Brandschutz- und Feuchteverhaltens ein beliebter Baustoff für Außen- und Innenwände. Ziegel sind extrem widerstandsfähig und bieten hohen Schutz vor Elektrosmog.
Der Kalksandstein ist ebenfalls ein besonders umweltverträglicher Mauerstein. Er überzeugt durch sehr guten Brand- und Schallschutz. Aufgrund seiner schlechten Wärmedämmeigenschaften kann er für ein Außenmauerwerk aber nicht ohne zusätzliche Dämmschichten verwendet werden. Beim Aufbringen eines Wärmedämmverbundsystems kann es zu Verschlechterungen beim Schallschutz kommen.
Porenbeton bietet eine ausgezeichnete Wärmedämmung und guten Brandschutz. Da die Wasseraufnahmefähigkeit durch viele Poren aber extrem hoch ist, sollte bei Außenwänden auf eine handwerklich gute, wasserabweisende Ausführung des Putzes geachtet werden. Porenbeton kann sich bei stehendem Wasser wie ein Schwamm vollsaugen. Im Vergleich zu Ziegeln und Kalksandsteinen hat Porenbeton die geringere Wärmespeicherfähigkeit, kann weniger gut für einen Temperaturausgleich sorgen.
Die Stärken von Beton liegen aufgrund der hohen Rohdichte beim Schall- und Brandschutz sowie der Wärmespeicherfähigkeit. Um jedoch eine gute Wärmedämmung zu erzielen, ist eine zusätzliche Außendämmung erforderlich. Wände aus Beton werden vorgefertigt, Böden und Decken vor Ort gegossen.
Bimsstein, mit Zement gebunden auch Leichtbeton genannt, ist am wenigsten verbreitet. Er verfügt über gute bauphysikalische Eigenschaften und erreicht gute Wärmedämmwerte, speichert aber lange die Feuchtigkeit. Ein weiterer Nachteil: Bimssteine können, vor allem wenn sie nicht lange genug gelagert wurden, „schwinden“, also kleiner werden, was zu Schäden im Putz führen kann.
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Wandaufbauten massiv errichteter Häuser
Und wie sieht das fertige Haus aus?
Wie es dem Bauherrn beliebt. Die Wahl der Fassade hängt nicht vom Material ab, aus dem die Wände bestehen. Je nach Geschmack kann es also Klinker, Putz oder Naturstein sein.
Auch eine Holzfassade ist kein Problem.
Aber würde jemand, der extra massiv baut, die wollen?
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