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Pfusch am Bau
Dass auf Deutschlands Baustellen gepfuscht wird, ist leider Alltag. Der Schaden, der jährlich dadurch entsteht, geht in die Milliarden. Dabei werden 40 Prozent der Fehler bereits bei der Planung gemacht, 60 Prozent beim Bauen selbst. Die gute Nachricht: Bauherren sind diesen Fehlern keineswegs hilflos ausgeliefert.
Passivhäuser sind eine prima Sache - eigentlich. In Zeiten hoher Energiepreise ist es für Hausbesitzer eine Verheißung, wenn sie weder Gas noch Öl verfeuern müssen und stattdessen die Sonne für behagliche Temperaturen und warmes Badewasser sorgt. Aber sind 17 Grad Raumtemperatur behaglich? Und ist es eine Verheißung, wenn statt der Ölheizung eine mit Tagstrom zum Einsatz kommt und der Kamin brennen muss, damit Kinder wenigstens im Wohnzimmer ohne dicken Pulli spielen können?
Natürlich nicht, findet Familie Marxen (Name von der Redaktion geändert), und sie ist sich darin mit der Firma, die ihr Haus gebaut hat, durchaus einig. Die Ursache ist nämlich identifiziert: Im neuen Haus pfeift es durch die Ritzen, die Wärme entweicht durch Fugen, die sorgsam abgedichtet sein müssten. Diese Erkenntnis hilft freilich nicht viel. Denn leider weiß der Bauträger auch nicht, wie er den Mangel beheben soll.
Pfusch am Bau ist in Deutschland Alltag. Der Schaden, der jedes Jahr an Neubauten durch eine mangelhafte Planung und schlampige Arbeit entsteht, geht in die Milliarden. Ob vom großen Baukonzern oder kleinen Bauträger auf die grüne Wiese gestellt: Kaum ein Neubaugebiet, in dem Anwälte unter entnervten Bauherren nicht reiche Beute machen. Bei einer Untersuchung des Bauherren-Schutzbundes an 300 neuen Häusern wiesen diese 10 bis 20 Mängel auf, viele davon erhebliche, mit einer Schadensumme von bis zu 50.000 Euro.
Kaum irgendwo wird Murphys Gesetz so konsequent umgesetzt wie am Bau: „Alles, was falsch gemacht werden kann, wird irgendwann auch falsch gemacht“, lautet es. Wobei „irgendwann“ natürlich relativ ist.
Tatsächlich legt die Häufung der Fehler an neuralgischen Punkten von Bauvorhaben nahe, dass hinter der Schlamperei entweder Methode oder Unvermögen steckt.
40 Prozent der Fehler, sagen nämlich Fachleute, werden schon bei der Planung gemacht:
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die falsche Beurteilung des Baugrunds, der zum Beispiel nicht ausreichend tragfähig ist
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mangelnder Wärmeschutz: Bei vielen Neubauten werden nur die Mindestanforderungen nach der EnergieEinsparverordnung erfüllt, die in der Realität dann nicht ausreichen
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fehlende Dehnungsfugen bei Flachdächern
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zu kleine Dachüberstände, weil sie nun mal billiger sind
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60 Prozent der Baumängel entstehen während der Arbeit:
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eindringende Feuchtigkeit aufgrund mangelhafter Abdichtung von Fundament und Keller
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Befall mit Schimmelpilzen, weil Bauteile, die noch nicht fertig sind, bei schlechtem Wetter nicht geschützt werden und der Baukörper später nicht richtig austrocknen kann
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zu niedrige Räume, vor allem beim Ausbau von Dachgeschossen
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falsch eingebaute Fenster
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mangelnder Schallschutz durch Fehler beim Einbau von Treppen sowie bei Trennwänden zwischen Doppel- oder Reihenhauseinheiten
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besonders bei Fertighäusern und in Dachgeschossen: schlecht abgedichtete Fugen
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„Je früher ein Fehler gemacht wird, desto gravierender ist er in der Regel“, erläutert der Architekt Alwin Muschter, Berater im Auftrag der Verbraucherzentrale Hannover.
„Deswegen rate ich Bauherren auch dringend dazu, einen vom Bauträger unabhängigen Architekten oder Baubetreuer zu engagieren, der die Bauabschnitte abnimmt und Mängel sofort reklamiert, wenn sie noch zu beheben sind.“
Steige der Betreuer gleich zu Anfang in das Bauvorhaben ein, kämen Planungsfehler gar nicht erst zur Ausführung. Außerdem zeige die Erfahrung, dass Handwerker sorgfältiger arbeiteten, wenn ihnen ein Gutachter auf die Finger schaue. Kostenpunkt der Betreuung: etwa ein Prozent der Bausumme.
Außerdem empfehlen die Verbraucherschützer: Lassen Sie sich unbedingt Referenzobjekte nachweisen. Das hätte die Familie Marxen vor ihrem Ärger bewahrt. Sie hätte nämlich festgestellt, dass ein Passivhaus bisher nicht zum Repertoire der ansonsten als solide geltenden Firma gehört hat.
„Ein Hausbau ist Handarbeit, und Fehler können dabei immer vorkommen“, räumt Horst Frank von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern ein. „Entscheidend ist, wie die Firma damit umgeht: ob sie bereit ist, die Mängel abzustellen oder, wenn das nicht möglich ist, einen Ausgleich anbietet.“
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