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Windgas: die Idee, um erneuerbare Energien zu speichern. (Foto: Schachspieler/photocase.com)

Windgas: Ökostrom effizient speichern

Überschüssige Energien aus Windkraftanlagen längerfristig speichern, und zwar ohne gewaltige Baumaßnahmen: Diese Intention steckt hinter dem neuen Angebot „Windgas“ der Energieversorger-Genossenschaft Greenpeace Energy. Bauemotion.de sprach mit Vorstandsmitglied Robert Werner über das Thema Windgas.
Selbst ein ideal ausgebautes Stromnetz ist in Zeiten überschüssiger erneuerbarer Energien nicht in der Lage, Strom aus Windkraftanlagen dauerhaft zu speichern. Grund: Die Aufnahmekapazität der Stromnetze ist stark begrenzt, sodass erwirtschaftete Stromüberschüsse ungenutzt verpuffen. Deutschlands Gasnetze hingegen verfügen über weitaus größere Langzeitspeicherkapazitäten. Da liegt es nahe, den überschüssigen Strom in einen gasförmigen Zustand zu bringen und so unter der Erde für später „aufzuheben“. Greenpeace Energy möchte dazu mithilfe von Strom aus Windkraftanlagen Wasserstoff herstellen, und zwar mittels Elektrolyse. Bei diesem Verfahren wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Wasserstoff landet dann als „Windgas“ im Gasnetz. Für eine längerfristige Speicherung muss er mit Kohlendioxid, zum Beispiel aus der Luft, in Methangas umgewandelt werden. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und nur in dieser Form längerfristig ins Erdgasnetz einspeisbar.
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Robert Werner: Vorstandsmitglied von Greenpeace Energy. (Foto: Greenpeace Energy)
Bauemotion.de: Herr Werner, was ist der Sinn des Windgas-Verfahrens?
Robert Werner: Windkraft wird im zukünftigen Energiesystem die führende Stromerzeugungsform werden. Allerdings werden die Stromleitungsnetze auch bei optimalem Ausbau bald nicht mehr in der Lage sein, die Energie vollständig von den Erzeugern, vor allem in Norddeutschland, abzutransportieren. Schon jetzt gibt es Situationen, in denen Windkraftanlagen abgeschaltet werden müssen. Allein im Jahr 2010 ist dadurch Energie verloren gegangen, die zur Versorgung von 35.000 Haushalten ausgereicht hätte.
Bauemotion.de: Und Windgas soll dieses Problem beseitigen?
Robert Werner: So ist es. Das Erdgasnetz bietet einen gewaltigen Speicherplatz, Deutschland ein gewaltiges Potenzial. Zum Vergleich: Wenn man in Deutschland sämtliche Möglichkeiten für Pumpspeicherkraftwerke verwirklichen würde, könnte damit der Strombedarf nur ein paar Stunden lang gedeckt werden. Die Kapazität des Erdgasnetzes hingegen reicht für zwei bis drei Monate der gesamten Stromversorgung in Deutschland.
Bauemotion.de: Aber die Elektrolyse selbst braucht doch eine gewisse Prozessenergie. Senkt das nicht den Wirkungsgrad?
Robert Werner: Der Wirkungsgrad liegt je nach Verwendung zwischen 45 und 65 Prozent, bei der Umwandlung zu Methan bei 35 bis 50 Prozent. Das ist, zugegeben, schlechter als bei Pumpspeicherkraftwerken. Aber umgekehrt bedeutet Windstrom, der nicht genutzt wird, einen Wirkungsgrad von null Prozent.
Bauemotion.de: Windgas umfasst aber nicht nur die Technik, sondern wird auch als Produkt an Kunden von Greenpeace Energy verkauft. Wie funktioniert das?
Robert Werner: Zunächst liefern wir 100 Prozent Erdgas. Wir bieten einen umfassenden Kundenservice, der überall mindestens dem entspricht, was auch ein lokaler Gasversorger anbietet. Im Preis ist ein Förderbeitrag von 0,4 Cent pro Kilowattstunde enthalten, mit dem unsere Kunden den Aufbau der Infrastruktur für die Umwandlung des Windstroms unterstützen.
Bauemotion.de: Wie weit ist die Umsetzung? Läuft die Elektrolyse schon?
Robert Werner: So weit sind wir noch nicht. Derzeit prüfen wir mehrere Standorte in der Nähe von Windkraftanlagen, wo auch eine Einspeisung ins Gasnetz gut umzusetzen ist. Wir beginnen im ersten Schritt damit, Wasserstoff einzukaufen und ins Gas zu mischen. Darüber hinaus ist geplant, eigene Umwandlungsanlagen zu bauen.
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Wie Windgas zum Verbraucher kommt. Die Grafik zeigt den Weg von der Windkraft bis ins Erdgasnetz. (Foto: Carsten Raffel, Atelier 41/Greenpeace Energy)
Bauemotion.de: Das eingespeiste Gas dient in den meisten Haushalten ja erst einmal der Beheizung und Warmwasserbereitung. Lässt sich das System Windgas auch für eine dauerhafte Deckung des Strombedarfs verwenden?
Robert Werner: Wir verstehen die Energieversorgung als umfassendes Konzept. Bei der Wärmeversorgung stehen Dämmung und Solarthermie an erster Stelle. Erst danach sollten gasbetriebene Blockheizkraftwerke eingesetzt werden. Windgas ist eine gute und intelligente Alternative zu Biogas, das ökologisch sinnvoll nur in begrenzten Mengen zur Verfügung steht. Wir beraten intensiv und für unsere Kunden kostenlos zum Thema Blockheizkraftwerke. Mit dieser Technik besteht die Möglichkeit, Gas nicht nur zum Heizen, sondern zugleich zur Stromerzeugung einzusetzen. Das lässt sich hervorragend mit Windgas kombinieren. Neben der individuellen Beratung, die wir mit kompetenten Partnern anbieten, ist eine erste grobe Einschätzung mit der Mikro-BHKW-Beratung auf unserer Homepage für jeden möglich: www.greenpeace-energy.de.
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  • stephan.schmidt-oekosozial@t-online.de schrieb am 20.10.2011 um 21:24:09 Uhr

    Lieber Robert Werner,
    Bei der Speicherung und Wiedereinsetzbarkeit ist Wasserstoff wohl Spitze, ich bin bei Ihnen. Die Anlage die Sie beschreiben ist für Megewatt-Dimensionen? Aus PV-Strom könnte man auch mit ner Minianlage Wasserstoff für eine Brennstoffzelle generieren, was schätzen Sie wie lange es noch braucht bis die Brennstoffzelle für ein Einfamilienhaus wirtschaftlich ist

     
     
     
     
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