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Häufig ist die energetische Qualität bei Neubauten mangelhaft. (Foto: Heike Hering / pixelio.de)

EnEV: Studie bemängelt energetische Qualität von Neubauten

Mäßige Erfolgsbilanz: Moderne Wohnhäuser entsprechen oft nicht den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV), wie der Verband Privater Bauherren (VPB) ermittelte. Er rät deshalb zu mehr Kontrollen und neutralen Sachverständigen.
Die Fassade ist schlecht gedämmt, die Heizwärme verpufft durch das Dach, und die kalte Luft aus dem Keller zieht ungehindert in den Wohnbereich – ein energetisch perfekt saniertes Haus sieht anders aus. Lang ist die Liste der Mängel, die der VPB in seiner umfangreichen Umfrage zur Qualität von Neubauten im vergangenen Jahr zutage förderte. Das mit der Studie beauftragte Institut Privater Bauherren (IPB) prüfte 5231 Häuser, die von EnEV-Sachverständigen in den VPB-Regionalbüros betreut wurden. Gefragt wurde beispielsweise, ob die gesetzlichen Vorgaben zur EnEV 2009 tatsächlich umgesetzt werden und ob der private Bauherr am Ende den energetischen Standard bekommt, den er bezahlt. „Die Ergebnisse sind zwar etwas besser ausgefallen als vor zwei Jahren, aber nach wie vor ernüchternd“, sagt VPB-Vorstandsmitglied Klaus Kellhammer. „Von den politisch gewünschten Vorgaben sind deutsche Neubauten immer noch weit entfernt.“
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Diese Grafik verdeutlicht: Ein Großteil der Neubauten entspricht nicht der Energieeinsparverordnung. (Foto: VPB)
Die Qualität stimmt nicht
„Rund 30 Prozent aller Neubauten entsprechen nicht den Anforderungen der Energieeinsparverordnung“, erläutert Kellhammer. Knapp die Hälfte aller EnEV-Nachweise seien von vornherein falsch berechnet worden. Und der Pfusch in der Planungsphase geht auf der Baustelle weiter: Bei fast jedem zweiten Haus werden die Berechnungen zur Energieeinsparverordnung nicht korrekt realisiert. Und wo schlechte Dämmstoffe verwendet werden, sind logischerweise auch die Dämmwerte ungenügend. Oft wird gegen Ende der Bauphase zu überprüfen versäumt, ob der Neubau wirklich dicht ist – der sogenannte Blower-Door-Test, der zugige Ritzen an den Fenstern und Türen entlarvt, findet nicht statt. Am Ende erreicht das Haus zum Beispiel nicht den Standard „Effizienzhaus 70“ und verbraucht mehr Energie, als auf dem Papier versprochen wurde“, so Kellhammer. Ein Betrug, der schwer nachzuweisen ist.
Das Haus wird oft falsch genutzt
Das Problem liegt aber nicht nur auf der Baustelle. Viele Bewohner behandeln ihr Haus nach dem Einzug falsch, einfach deshalb, weil sie es nicht besser wissen. Fast 80 Prozent der Bauherren werden nicht über die energetischen Annahmen ihrer Immobilie unterrichtet, beobachten die EnEV-Sachverständigen. Das heißt, sie wissen gar nicht, ob der Keller als Wohnraum vorgesehen und damit richtig gedämmt und beheizt werden muss. Oder ob er nur als Abstellraum dienen soll und deshalb vom Wohnbereich thermisch abgeschottet werden muss. Richtig bauen und richtig nutzen – beides ist wichtig. „Dabei geht es um das Feintuning“, bestätigt Eva Reinhold-Postina vom VPB. Die Diplom-Ingenieurin rät: „Man muss den Bewohnern ein Haus im Prinzip so erklären wie eine Waschmaschine. Der Architekt muss alles durchsprechen: Welche Türen zu schließen sind, welche Filter man wann austauscht, wie man richtig lüftet und heizt und wie die Rollläden zu bedienen sind.“
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Der Energieausweis gibt Auskunft über den jeweiligen Energiebedarf des Hauses. Käufer eines Altbaus sollten sich das Dokument unbedingt geben lassen. (Foto: dena)
Was Bauherren tun können
Rund Dreiviertel aller Häuser werden schlüsselfertig gekauft. Die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner treffen nur bei der Wahl des Bodenbelags auf offene Ohren. Doch die Käufer sind nicht machtlos. „Verlangen Sie vor der Vertragsunterzeichnung die detaillierte Energieberechnung des Hauses. Entdecken Sie Mängel, entspricht die Dämmung des Daches oder der Kellerdecke nicht der gewünschten Nutzung oder dem Heizverhalten, lassen Sie die Zahlen von einem neutralen Sachverständigen prüfen. Eventuell muss dann nachgebessert werden“, sagt Reinhold-Postina. Die Expertin rät stets zu gesundem Misstrauen. Am besten sei es natürlich, den Bauvorgang regelmäßig zu überwachen. „Bestehen Sie auf den Blower-Door-Test und auf einer Termografie des Hauses durch einen unabhängigen Tester“, so Reinhold-Postina. Notfalls müsse der Bauherr die Maßnahmen selbst in Auftrag geben und bezahlen. Wer allerdings das Paket für 100 Euro anbiete, sei nicht preiswert, sondern ein Scharlatan. „Profis verlangen in der Regel um die 1000 Euro.“ Das ist nicht gerade billig, kann sich am Ende aber auszahlen. Schließlich soll das neue Haus die Vorgaben der EnEV erfüllen.
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